Auf der Bühne

Der Weg zur neuen Chorkleidung – einmal anders

28. August 2014

hier gibt´s den Beitrag als pdf zum Downloaden und Mit-in-die-Probe-nehmen: Ein Weg zu neuer Chorkleidung

Jeder, der schon mal im Chor das Thema Chorkleidung angeschnitten hat, weiß, was passiert und wird dieses heikle Thema nur in Notfällen noch mal auf die Tagesordnung bringen. In den nächsten 30 Minuten wird niemand mehr dem anderen zuhören, jeder wird seine Meinung davon, was schön, kleidsam, praktisch und angemessen ist vehement kundtun. Natürlich auch, was hässlich, unschön, unpraktisch und unangemessen ist. Alles redet drauf los, viele katapultieren sich in eine innere Denkschleife, die im Wesentlichen davon bestimmt wird, ob rot nun zur eigenen Haarfarbe und ein enges Kleid zur eigenen Figur passt. Daraus wird dann ratzfatz eine allgemein gültige Regel aufgestellt und gegen andere verteidigt. Diese Phase ist geprägt durch Sätze, die mit „ich finde“ anfangen. Nun reagieren Gruppen darauf etwas unterschiedlich:

  1. Die „Bloß-keinen-Stress“-Methode: man einigt sich nach langem Hin und Her auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner, nicht ohne diejenigen zu verärgern, die auf keinen Fall den Notenschal wollten. Diese werden das auch jedes Mal, wenn sie das Ding umlegen müssen, lautstark kundtun. „Ich habe ja gleich gesagt…“. Vielleicht werden aus Protest die Dinger nicht mehr gebügelt. Effekt: der Chor sieht aus, wie alle anderen. Vorteil: da man unter den Chören nicht sonderlich auffällt, fügen sich über die Zeit fast alle in ihr Schicksal und tragen den Schal mit Fassung.
  2. Die „Einer-muss-bestimmen“-Methode: Der Vorstand ist die Diskussionen leid und bestimmt selber. So richtig mutig ist man aber meist nicht- der Weg zum Notenschal ist einfach nur kürzer. Aber immerhin! Leider leidet die Beziehung Vorstand-Chor dadurch gelegentlich.

Wie ihr beim Lesen wohl schon merkt- ich bin kein Freund der Schal-Variante. Nicht, weil ich was gegen Schals hätte!! Sondern weil ich was dagegen habe, dass sich Gruppen nur auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner einigen können und damit das tun, was alle tun. Objektivere Gesichtspunkte, kreative Ausdrucksformen, Mut und Spielfreude bleiben auf der Strecke. Und ich bin mir sicher: so wird das auch in anderen Bereichen sein. Hier herrscht eine Entscheidungs-Kultur, die ich nicht teile. So kann keine gute Idee nach oben kommen. Es gibt eine Chorkleidung jenseits von Schals! 


 

Der Weg zu neuer Chorkleidung – einmal anders

1.Vorstandssitzung zum Thema Chorkleidung

Wir setzen uns mit dem Vorstand zusammen und überlegen zunächst, welchen Eindruck die Chorkleidung vermitteln soll. Dazu tragen wir zusammen:

  • unsere Chor-Vision (falls vorhanden)
  • unser Song-Repertoire
  • unseren Altersdurchschnitt
  • unsere „Zielgruppe“ (wo singen wir, für wen singen wir, wen möchten wir erreichen?)
  • die Anlässe, zu denen diese Kleidung getragen werden soll

Außerdem: 

  • Handelt es sich um eine zusätzliche Kleidungsvariante? Wenn ja, wodurch sollte sie sich von der anderen unterscheiden
  • Was darf das kosten?

2. Leitlinie entwickeln

Daraus entwickeln wir eine Leitlinie, z.B. „Unsere Chorkleidung soll qualitativ hochwertig und festlich aussehen, Bewegung bei den Choreos ermöglichen und jugendlich aussehen. Sie soll, auch wenn von der Stange gekauft, vom Änderungsschneider individuell angepasst werden können, damit sich die meisten wohl fühlen. Wir möchten, dass die Chorkleidungs-frage am Ende mindestens mit einer Mehrheit von 3/4 abgestimmt wird.“

3. Klamotten-Team bilden

Wir überlegen, wer ins Klamotten-Team soll. Das Team besteht ausschließlich aus Menschen mit einem persönlichen Geschmack, der der Leitlinie entspricht. Einer vom Vorstand sollte mit ins Team. In meinem Beispiel nehmen wir auch noch eine befreundete Schneiderin dazu. Unser Team besteht am Ende aus 5 Personen: Der Schneiderin, einem Vorstandsmitglied, einer sehr schlanken  Sängerin, einer mittelschlanken und einer fülligeren Sängerin. (Jetzt muss man natürlich erstmal die Leute fragen, ob sie in das Team wollen…)

Übrigens: an dieser Stelle helfen wir, das Team vom Chorliebe-Shop, auch gern weiter! Anregungen und Hilfe findet ihr hier!

4. Ideen entwickeln und dem Vorstand vorstellen

Das Team bekommt die Aufgabe, innerhalb von z.B. 14 Tagen Ideen zu entwickeln und sie dem Vorstand vorzustellen. Der prüft im Wesentlichen, ob die Ideen den Leitlinien entsprechen.

5. Ideen dem Chor vorstellen

Nach dem Okay durch den Vorstand stellt das Team mindestens 2, besser 3 Möglichkeiten dem Chor vor. Hier empfiehlt es sich, schon mal einige Leute zu bitten, sich entsprechend anzuziehen, damit man die Fragen nicht rein theoretisch besprechen muss, sondern schon mal einen optischen Eindruck bekommt. Besonders etwas ausgefallenere Ideen, wie eine ungewöhnliche Farbpalette, kann man so überzeugender präsentieren.  Solle etwas Neues genäht werden, müssen Stoffproben und Schnittmuster vorliegen.

6. Abstimmung

Der Chor stimmt zwischen den Möglichkeiten ab. Findet sich keine 3/4 Mehrheit muss das Team noch mal ins Kämmerlein und die Kritikpunkte miteinbeziehen, um neue Vorschläge zu machen.

7. Ein einziges Kostüm fertig stellen

Nach einer erfolgreichen Abstimmung wird zunächst ein Kostüm komplett fertig gestellt- samt Frisur, Make-Up und Schuhen stellt sich der Mensch zunächst dem Vorstand vor- dann dem Chor.

8. Endgültige Abstimmung


Achtung! Damit nichts schief geht!

1. Punkt 7 unbedingt berücksichtigen!

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass besonders gern Punkt 7 übersprungen wird, weil es aufwändig und überflüssig erscheint! Ich rate dringend davon ab! Wer es dennoch tut, beschwere sich bitte hinterher woanders, wenn alles dann ganz anders aussieht, als man sich das vorgestellt hatte, nun aber schon eine Menge Geld ausgegeben wurde….. Ich weiß aus Erfahrung: das tut richtig weh! Geld futsch, blöde Kleidung, unzufriedene SängerInnen. Also unbedingt Punkt 7 beachten. Wenn man an dieser Stelle merkt, dass die Idee gar nicht umsetzbar war, dann wurde nur das Geld für ein Kostüm in den Sand gesetzt. Auch, wenn es sich nicht um eine Maßanfertigung handelt: Wenn die Sänger sich z.B. schon Klamotten aus der neuen Farbpalette kaufen, werden sie anschließend sauer sein, wenn diese dann doch nicht gebraucht werden.

 2. genaue Vorgaben machen

Wenn die neue Chorkleidung vorsieht, dass sich jeder selbst etwas kauft oder besorgt, dann unbedingt ganz genaue Vorgaben machen!!! Farben oder Farbpaletten sollten dann in irgendeiner Form mit zum Einkaufen genommen werden können. Man kann sich z.B. im Stoffladen sehr günstig alle in Frage kommenden Nuancen als 10-cm-Stück mitnehmen, daraus Quadrate schneiden, zusammen legen und fotografieren. Das Bild kann dann jeder auf seinem Handy haben und mit in die Stadt nehmen. So vermeidet man böse Überraschungen.

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