Auf der Bühne Chorkleidung

Hitliste der beliebtesten Chorkleidung in Deutschland

27. August 2014

hier gibt´s den Beitrag als pdf zum Downloaden und Mit-in-die-Probe-nehmen: Hitliste Chorkleidung

Das Thema Chorkleidung ist in den meisten Chören ein heißes! Darum möchte ich dieses Eisen anfassen und meine Meinung und meine Erfahrung hier teilen. Ich arbeite ja als Chor-Coach für Bühnenpräsenz und Choreografie, und werde darum so gut wie jedes Wochenende mit der Frage konfrontiert: „Wie soll man es eigentlich mit der Chorkleidung halten?“. Und schon die Frage allein führt direkt in eine hitzige Debatte. Zunächst mal ein Überblick! Hier kommen die Hitliste der häufigsten Varianten der Chorkleidung in Deutschland (nicht repräsentativ- nur meine Erfahrung) im Bereich populäre Chormusik:

1. Schwarz mit Schal oder buntem AccessoireBarbershop Musikfestival 2012

… ist die absolut beliebteste Variante, besonders bei eher traditionellen Chören. Sehr häufig unterscheiden sich die Chöre einer Region optisch allein durch die Schalfarbe. Dies ist meiner Meinung nach der kleinste gemeinsame Nenner- und selbst da gibt es noch Diskussionen darüber, ob nun rot oder gelb besser ist. Sehr beliebt ist auch die Variante „notenbedruckter Schal“ oder „Schal in Regenbogenfarben“. Natürlich kommt dann die Frage auf: alle gleich binden? Oder individuell?

Mein Eindruck als Zuschauer: Dies ist ein moderner Chor, der sich von traditioneller schwarz-weiß-Kleidung verabschiedet hat. Von Schals bin ich leider absolut gelangweilt, weil die Republik wohl ein Abo darauf hat. Bunte Accessoires finde ich manchmal ganz schön . Alles in allem erwarte ich einen soliden aber eher braven Auftritt. Ich befürchte, dass man sich auch in künstlerischer Hinsicht auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner geeinigt hat… Gibt aber auch schöne Variante, wie hier auf dem Bild. Bin ja auch ich:-)

 

2. Schwarz mit einer anderen Farbe kombiniert- also z.B. schwarz-weiß, egal welche Kleidung

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… auch beliebt! Die Individualität des einzelnen kann hier etwas mehr zur Geltung kommen. Aber Vorsicht: manche bringen sehr persönlichen, privaten Geschmack auf die Bühne, und wir müssen unsere Blicke von Outfit zu Outfit gleiten lassen. Häufig ist die einheitliche Grundfarbe schwarz garnicht mal so einheitlich. Von Straßenschuhen bis Pumps sehen wir alles. Kurze Röcke, unförmige Bundfaltenhosen und verwaschene Jeans lenken von der Musik ab. Rote, sehr kurze Röcke lenken unsere Blicke- ebenso wie höchst unterschiedliche Rot-Töne (oder blau..)

Mein Eindruck als Zuschauer: Hier wird Individualität und Kreativität groß geschrieben. Ich hoffe, dass ich das auch in der Musik hören werde und glaube, dass wir hier engagierte SängerInnen erleben.

3. Gleich und doch andersDSCN4027

Also z.B. Jeans, weiße Bluse, schwarze Krawatte. Eine jugendliche, einfache, kostengünstige Lösung, die ebenfalls Einheit und Individualität gleichsetzt.

Mein Eindruck als Zuschauer: schön, man konnte sich auf etwas einigen! Wird wohl auch in anderen Bereichen so sein. Ich erwarte einen recht homogenen Chor mit kreativen Einfällen. Klar, ein wenig privat sieht es aus… aber ich finds okay.

 

4. Farbskala, aber individuelle Kleidung

(Sorry kein Bild! Falls einer ein schönes hat, das ich verwenden darf: bitte schicken!! DANKE)

… meist ein sehr schöner, ausgewogener Eindruck. Durch die Unterschiedlichkeit von Kleidung und Farben, wird unser Blick nicht oder seltener auf Einzelne gelenkt. Hier hängt es von der Farbpalette ab, ob wir einen eher traditionellen oder modernen Chor erwarten. Ungewöhnliche Farbkombinationen erfrischen uns, während die herkömmlichen auch nicht weiter stören.

Mein Eindruck: eine ausgewogene Mischung aus Einheit und Individualität. Wird sicher nett! Allerdings erwarte ich auch keine ausgefallenen, individuellen Bühnenshows- eher das locker flockige Einerlei.

 

5. Grundfarbe schwarz, mit wechselnden Accessoires je nach Song (hier: Kriminaltango: schwarz und rot (Hüte, Boas, Armstulpen…)

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… eine schöne Möglichkeit für Choreo-Chöre! Unterhaltsam, abwechslungsreich, individuell und gleichzeitig einheitlich! Mit einer Ausnahme: wenn Accessoires verwendet werden, ohne, dass sie irgendwie Sinn machen. Beispiel: Es werden Handschuhe angezogen- aber die Hände hängen die ganze Zeit langweilig runter.

Mein Eindruck: ich mag das und bin amused. Ich freue mich, dass ich was zu Gucken habe und glaube, dass mir sicher nicht langweilig wird. Hier war jemand kreativ! Das finde ich toll.

 

6. Grundfarbe schwarz, mit einem selbst gewählten, maßgeschneiderten Kleidungsstück aus dem gleichen Stoff

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… eine eher bühnenorientierte und weniger private Variante von Punkt 2. Kann sehr schön sein! Sieht professioneller aus. Manchmal wird aber vergessen, auch Haare und Make-up bühnengerecht in Szene zu setzen, was dann leider wieder einen Schritt zurück in die Privatheit darstellt.

Mein Eindruck: Hier ist man sich bewusst, dass man auf einer Bühne steht und Menschen unterhalten will. Es wird wert auf eine ordentliche, einheitliche und doch individuelle Erscheinung gelegt und man war offensichtlich bereit, ein wenig Geld ins Outfit zu investieren. Als Zuschauer empfinde ich das als einen kleinen Akt der Wertschätzung meiner Anwesenheit. Offensichtlich hat man sich für mich Mühe gegeben. Sehr wahrscheinlich spielt Präsenz und Choreografie hier eine größere Rolle. Ich bin gespannt, was da kommt!

7. Maßgeschneiderte, einheitliche Kleidung

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.. früher häufig, mittlerweile eher selten. Die meisten Menschen fühlen sich in der Kleidung, die noch 20 andere tragen, unwohl. Der Nachteil ist, dass es einen sehr guten Designer und einen noch besseren Schneider braucht, damit jeder gut darin aussieht. Weil das nicht so einfach ist, tragen in manchen Chören die Grazien unförmige Säcke (damit die Fülligeren nicht so raus fallen), oder die Fülligeren müssen sich in zu enge, schlecht sitzende Kleidung werfen. Auf der anderen Seite ist so eine optische Einheit für Showchöre oft geradezu zwingend notwendig, weil sonst aufwändige Formationen und Choreografien einfach einen großen Teil ihrer Wirkung verlieren! Es ist eh schwer, sich synchron und gleichzeitig ausdrucksstark zu bewegen. Eine bunte, uneinheitliche Chorkleidung hilft da nicht gerade.

Mein Eindruck: ich bin erstaunt! Dass sich in diesen Zeiten des fortschreitenden Individualismus eine Gruppe noch auf eine gemeinsame Kleidung einigen konnte und dafür Geld in die Hand genommen hat. Normalerweise darf in Chorkreisen ja nix was kosten. Ich genieße im besten Fall (wenn die Kleidung gut sitzt) den Anblick der Einheit und freue mich auf  ein Konzert, bei dem jeder bereit ist, sich ins große Ganze einzuordnen. Hier zählt das Ganze wohl mehr, als die Summe seiner Teile! Finde ich toll und applaudiere lauter.

Allerdings möchte ich hier sicherheitshalber betonen, dass ich nicht die Choranzüge von 1969 meine, die der Männerchor trägt, weil sie es immer schon so gemacht haben. Das ist ein anderes Kaliber:-)

8. Themenbezogene Kleidung, hier zum Western-Set

Barbershop Musikfestival 2012

Aufwändige, interessante, abwechslungsreiche Variante! Finde ich klasse und lässt der Spielfreude freien Lauf! Lohnt sich wahrscheinlich nur, wenn ein längeres Set mit gleichem Thema gesungen wird- man kann sich ja nicht ständig umziehen.

Mein Eindruck: hier macht man sich Mühe, will mich unterhalten und ist kreativ. Toll!

Braucht ihr Hilfe für eure neue Chorkleidung? Die bekommt ihr auf Wunsch gern in unserem Chorliebe-Shop. 

 

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