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Gute Entscheidungen treffen

14. Februar 2019

Wie Chöre sich dabei oft selbst im Weg stehen… und wie sie es dennoch schaffen können

Sicher, kleine Dinge müssen sofort entschieden werden. Zum Beispiel, was beim Chorwochenende gegessen werden soll oder welches Geschenk der werdenden Mutter überreicht wird. Es ist in Ordnung, solche kleineren Themen jederzeit in die große Runde zu werfen. Sobald aber Entscheidungen mit größerer Tragweite getroffen werden müssen, funktioniert diese spontane Form nicht. Dennoch ist eben genau das der häufigste Fehler, der einen friedlichen Entscheidungsfindungsprozess von vorne herein torpediert. Welche Fehler man sonst noch so machen kann und wie man sie in Zukunft vermeidet- davon handelt dieser Artikel.

Was ist eigentlich eine gute Entscheidung?

Es geht hier nicht ums Prinzip! Jede Entscheidung, die eine geklärte und friedliche Atmosphäre hinterlässt, ist eine gute. Ganz egal, wie sie getroffen wurde. Viele Entscheidungen verursachen keine Probleme, wenn klar ist, wer sie trifft. Wenn z.B. schon seit Menschengedenken vom Chorleiter entschieden wird, welche Songs gesungen werden, wird es damit kaum Probleme geben. Es darf und soll also weiterhin so verfahren werden. Solange, bis sich etwas unklar anfühlt und immer wieder für Konflikte in der Gruppe sorgt. 

Eine gute Entscheidung erkennt man daran, dass sie eine geklärte, friedliche Atmosphäre hinterlässt. Gruppenmitglieder, die anderer Meinung sind, tragen die Entscheidung dennoch mit und stellen sie nicht immer wieder infrage.

Das hört sich einfacher an, als es ist. Die Realität sieht oft anders aus. 

Welche Faktoren gefährden nachhaltige Entscheidungen?

1. Die Überrumplungs-Falle

Wer plötzlich mit einer neuen Kleidungsidee in der Chorprobe auftaucht muss sich nicht wundern, wenn sie ungesehen zerrissen wird. Menschen brauchen Sicherheit. In diesem Fall die Sicherheit, dass sie ihre Einwände anbringen dürfen und sie auf eine transparente Weise am Prozess beteiligt werden. Viele Diskussionen drehen sich gar nicht wirklich um die Sache, sondern um das Gefühl, überrumpelt worden zu sein. Das kann leicht vermieden werden!

2. Die „keiner-weiß-worum-es eigentlich-geht“ Falle

Mangelnde Information ist wirklich eine große Gefahr für jede Entscheidung. Je genauer die Menschen wissen, worum es genau geht, welche Parameter mit einbezogen werden müssen, welche Ideen schon abgewogen und aussortiert wurden und aus welchem Grund, desto mehr Verständnis bringen sie logischerweise auf. Oft wird das einfach vergessen. Die Gruppe wird vor vollendete Tatsachen gestellt und hat nur noch geringen Handlungsspielraum.

3. Die Konsens-Falle

In vielen Gruppen fehlt die Abstimmung am Ende! Es wird so lange diskutiert und geredet, bis es keine Einwände mehr gibt oder sie nicht mehr geäußert werden. Das führt dazu, dass viele Entscheidungen überhaupt nicht fallen, vertagt werden oder sich lediglich auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner geeinigt werden kann. 

4. Die „viel-zu-viele-Optionen“ Falle

Ein Mensch kann sehr gut zwischen drei Optionen abwägen und entscheiden. Wir überfordern unsere Gruppen, wenn wir ihnen eine ungezählte Anzahl an Optionen und Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

5. Die Innovations-Falle

Gruppen ticken konservativ. Im Zweifel entscheiden sie sich für das Bekannte. Wenn kreative, zukunftsweisende oder innovative Prozesse anstehen, muss der Entscheidungsfahrplan angepasst werden.

Wie sollten Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden? 

Um nicht in die gängigen Fallen zu tappen, können Vorkehrungen getroffen werden.

1. Die Entscheidung zeitig ankündigen

Zunächst sollte möglichst lange vorher angekündigt werden, welche Entscheidung wann ansteht. Wichtigste Information an dieser Stelle: wann darf der Chor worüber abstimmen? Und mit welcher Mehrheit gilt eine Entscheidung als getroffen?

2. Den Entscheidungsfahrplan vorlegen

Der Vorstand (bzw. das vom Vorstand beauftragte Team) entwirft einen Entscheidungsfahrplan (siehe Dokument). Dieses zentrale Dokument enthält alle wichtigen Informationen, Details und Absprachen. Er wird zunächst allen wichtigen Einzelpersonen vorgelegt, die vorab informiert und/oder nach Ihrer Meinung gefragt werden sollen. Später dann dem Chor.

3. Alle Einwände sammeln

Es werden wirklich alle Einwände gesammelt- in der Chorprobe und per Mail. Es wird wirklich jeder, noch so kleinen Einwand entgegen genommen, ohne ihn zu kommentieren. Es geht nicht darum, alle zu berücksichtigen. Aber alle werden gelesen und zur Kenntnis genommen. Die wichtigsten fließen in die Vorschläge ein.

4. Unterpunkte sammeln

Entscheidungen sind meist viel komplexer, als sie zunächst aussehen. Bevor z.B. über neue Kleidung abgestimmt werden kann, müssen Details geklärt werden. Zu welchem Anlass wird sie getragen, was darf sie kosten, wer trägt die Kosten, sollen vorhandene Textilien integriert werden und so weiter. Oft können die Unterpunkte von Einzelpersonen, Teams oder dem Vorstand vorab entschieden werden. Diese Unterpunkte auf einer Liste (siehe Dokument) sammeln.

5. Den Chor regelmäßig informieren

Im Laufe der Vorbereitung zur finalen Entscheidung werden sich immer mal wieder Dinge ändern. Darum sollte der Chor regelmäßig auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht werden. Alles, was hier versäumt wird, rächt sich am Tag der Entscheidung in Form von emotionalen Ausbrüchen oder unangemessenem Verhalten einzelner SängerInnen, die sich übergangen fühlen.

6. Adlerauge, sei wachsam

In vielen Gruppen tauchen immer wieder Schwierigkeiten mit den selben Personen auf, die absichtlich oder unabsichtlich die Entscheidungsprozesse unfair torpedieren. Man sollte im Vorfeld kreativ bei der Frage werden, wie sich voraussehbare Konflikte vielleicht entschärfen lassen. Zum Beispiel, indem man die Menschen mit ins Boot holt, vorab nach ihrer Meinung fragt, oder sie sich in einem ernsten Gespräch zur Brust nimmt.

7. Zwischen 3 Möglichkeiten wählen lassen

Egal, um welche Entscheidung es geht: der Mensch wählt am liebsten zwischen drei Optionen. Wenn irgendwie möglich, sollten also drei Vorschläge zur finalen Abstimmung gebracht werden. Zwei sind zu wenig, vier schon zu viel.

8. Der Vorstand führt durch den (Abstimmungs-)Prozess

Dieser wichtige Punkt kann eine Menge Nerven schonen! Alles, was im Chor passiert, braucht die Rückendeckung des Vorstandes. Der Vorstand ist immer DIE offizielle Stimme, auch, wenn die wichtigen Vorarbeiten von Teams übernommen wurden. Das Team kann erklären, beschreiben, argumentieren. Durch den Prozess führt aber der Vorstand. Darum ist es auch so wichtig, dass der Vorstand über alles informiert ist und sein Okay gibt. Sonst kann es im letzten Moment zu bösen Überraschungen kommen.

9. Am Ende auch wirklich abstimmen

Es ist schon kurios! Viele Gruppen durchlaufen diesen Prozess geradezu vorbildlich, um sich am Ende um die Abstimmung zu drücken. Vielleicht, weil jeder weiß, zu welch unfairem Verhalten sich „die Überstimmten“ manchmal hinreißen lassen. Dennoch: hier geht kein Weg dran vorbei. Je innovativer und kreativer ein Vorschlag ist, desto größer ist die Gefahr, dass er nicht oder nur gegen Widerstand umgesetzt werden kann. Das liegt in der Natur der Sache. Also: durch!

10. Sehr innovative und kreative Ideen nicht zur Abstimmung bringen

Eine Gruppe wird sich im Zweifel immer für das Gewohnte entscheiden. Manchmal muss man als Chor aber ungewohnte Wege gehen! Alle Visionen und besonders kreative Ideen sollten daher anders abgestimmt werden. Hier gilt es zu klären, OB ein neuer Weg z.B. in Sachen Konzertform begangen werden soll, und WER das Vertrauen der Gruppe bekommt, es zu entwickeln. Das Konzept selbst wird dann nur noch mit dem Vorstand abgesprochen. Dies gilt z.B. für die Entwicklung eines neuen Logos, einer neuen Konzertform, eines ungewöhnlichen Projekts oder ähnlichem. Die Chorkleidung ist hier ein sensibles Grenzthema, weil sie ja am Ende von jedem getragen werden muss. Es kommt dann darauf an, ob die Gruppe bereit ist, auf dem Gebiet Experimente zu wagen.

Zu guter Letzt: „Ist egal, wir lassen das jetzt so“.

Die wenigsten Entscheidungsprozesse werden von A-Z glatt laufen. Es gibt immer den Punkt, an dem man die Dinge zu den Akten legen muss. So ist das eben! Beim nächsten Mal gibt es die Chance zur Verbesserung des Prozesses.

Allgemein Auf der Bühne Chorkleidung

„Das Auge hört mit“ Mein Standpunkt aus der „Chorzeit“ 6-8/16

1. September 2016

14184431_665693323596951_5177266008744451817_nDas Auge hört mit!

Was moderne Chorkleidung heute leisten muss

Es ist noch nicht allzu lange her, da trug ein Männerchor auf der Bühne eine Sakko mit Vereinswappen zur schwarzen Anzughose, ein Frauenchor einen langen, schwarzen Rock mit weißer Bluse. Da man sich auf Sängerfesten im Wesentlichen gegenseitig vorsang und die Chormusik ihr Dasein sowieso am Rande der Gesellschaft fristete, war das die einfache Lösung eines eigentlich gar nicht vorhandenen Problems.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Chöre singen vielfältiges und unterschiedliches Repertoire vor unterschiedlichstem Publikum. Es gibt Wettbewerbe, Motto-Konzerte, Flashmobs und Mitsing-Konzerte. Chöre präsentieren sich mit einer eigenen Homepage im Internet, sind auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken vertreten. Sie nutzen die Bühne auf kreative Art mit neuen Aufstellungen, Formationen und Chor-Choreografien. Sie sind auf dem Weg hinein in die Mitte der Gesellschaft.

Jedoch schafft die neue Freiheit auch gleichzeitig ein neues Problemfeld! Denn wo Traditionen nicht mehr fortgesetzt werden, müssen neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden- auch in Sachen Chorkleidung.

Wer die deutsche Chorlandschaft heute auf ihre Kleiderordnung hin untersucht, wird sehr bald feststellen, dass sich ein großer Teil der Gruppen auf eine schwarze Grundgarderobe aus dem eigenen Kleiderschrank geeinigt hat. Hinzu kommt dann bei eher traditionellen Gruppen ein bunter Schal und eine farbige Krawatte, bei Chören mit modernerer Literatur wird der Schal durch ein individuelles Accessoire ersetzt. Die restlichen Gruppen einigen sich auf eine Farbpalette- zum Beispiel Sandtöne- die ebenfalls aus der vorhandenen Alltagsgarderobe zusammen gestellt wird.

Die deutsche Chorlandschaft bietet also nicht allzu viel Abwechslung in Sachen Bühnengarderobe- von einigen erfreulichen Ausnahmen einmal abgesehen. Dabei wirkt die Kleidung wie eine optische Visitenkarte! Besonders für Gruppen, die für junge SängerInnen attraktiv sein wollen, ist eine ansprechende und moderne Optik wichtig. Auch Veranstalter, die gern einen Chor für eine hochkarätige Veranstaltung buchen möchten, werden mit Sicherheit nicht nur nach sauberen Tönen, sondern auch nach der entsprechenden Optik entscheiden, welcher Chor das Rennen macht. Eine starke Chorkleidung leistet also auf unterschiedliche Weise ihren Anteil am Fortbestand einer Gruppe.

Es geht beim Thema Chorkleidung jedoch nicht nur um rein kommerzielle Gesichtspunkte. Chormusik hat auch aus künstlerischer Sicht einen optischen Aspekt. Jede Bühnenkunst bemüht sich darum, Form und Inhalt in eine wechselseitige Beziehung zu bringen. Als verwandte Kunst kann da eine Musical- oder Theaterproduktion als Vergleich dienen. Die Kostüme bilden immer entweder eine Einheit oder einen Kontrast zum Bühnenstück! Niemals werden jedoch die Darsteller nach eigenem Geschmack entscheiden, was sie anziehen und diese Sachen dann von zuhause mitbringen. Selbst ein mittelloses Laientheater wird die Darsteller in Stil und Farbe ihren Rollen entsprechend ankleiden. Das geht zum Glück auch mit schmalem Budget, besonders in der Kunst macht Not ja bekanntlich erfinderisch!

Warum ist das in unserer Kunst anders? Einer der Gründe liegt sicher in der Selbstwahrnehmung der Chorsänger. Ein Chorsänger betrachtet sich selbst eben nicht in erster Linie als Künstler, und sein Hobby nicht als Kunstform. Vielmehr steht für ihn die wöchentliche Probe im Mittelpunkt. Hier übt er sein Hobby aus, hier trifft er seine Freunde. Das ist an und für sich noch kein Problem. Konflikte entstehen erst dann, wenn aus dieser Haltung heraus künstlerische Entscheidungen getroffen werden müssen. Dieser Wechsel von der privaten zur künstlerischen Sichtweise fällt den meisten Sängern schwer. Bei der Wahl der Bühnengarderobe geht es nun aber nicht darum, wer welche Farbe am liebsten trägt. Es ist auch nicht entscheidend, wie viel Geld der einzelne ausgeben möchte oder was er auf gar keinen Fall bereit ist, anzuziehen. Es geht vielmehr darum, welcher künstlerischen Gesamteindruck erreicht werden soll, welcher Kleidungsstil mit der dargebotenen Musik harmoniert, und welche Bewegungsfreiheit die Kleidung garantieren muss. Solche Entscheidungen sind aber aus der oben genannten, eher privaten Haltung heraus schwer zu treffen.

Ein zweiter Grund liegt häufig in der Entscheidungskultur einer Gruppe. Um nicht allzu autoritär zu wirken, werden meist alle Entscheidungen mit der gesamten Gruppe diskutiert. Nicht selten wird so lange gestritten, bis kein Widerspruch mehr laut wird. Es fehlt dann nach dem Austausch aller Argumente leider die Abstimmung, was weniger auf eine demokratische als auf eine anarchische Gruppenstruktur hinweist. Auf diese Weise werden sich jedoch immer die Lautesten durchsetzen, weil die Klügeren schneller nachgeben um den Konflikt nicht zu schüren.

Doch was ist die Lösung? Vielleicht diese: Eine wirkungsvolle Chorkleidung, die sich am künstlerischen Gesamteindruck orientiert, braucht eine klare Vision und eine professionelle Umsetzung auf Grundlage einer streng demokratischen Organisationsstruktur. Die Reihenfolge der zu treffenden Entscheidungen sollte „top-down“ erfolgen, also von oben nach unten, vom großen zum kleinen. Von der Idee zur Umsetzung- nicht umgekehrt.

Oft kann es zielführend sein, sich professionelle Hilfe in Form eines Kostümbildners vom Theater, eines Designers oder eines Experten in Sachen Chorkleidung zu holen. Die fachkundige Beratung von Externen kann auch intern zu einem neuen, künstlerischen Selbstverständnisses des Chores führen, was auch auf die künstlerisch-musikalsiche Wirkung eines Chores einen positiven Einfluss haben kann.

http://www.chorzeit.de/#Ausgaben

Allgemein Choreografieren

Artikelserie in der Sängerzeitschrift „BADEN VOKAL“

18. November 2015

Ich freue mich, dass eine kleine Serie meiner Beiträge derzeit in der Badischen Sängerzeitschrift erscheinen! Unter den folgenden Links könnt ihr die Artikel abrufen:

Folge 1: Bühnenpräsentation, was ist das eigentlich?

Folge 2: CHOReografie – Kleine Element mit großer Wirkung

Folge 3: Tipps für eine glaubwürdige Performance

Folge 4: Eine neue Choreografie entwickeln

Folge 5: Eine Choreografie im Chor einführen