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Britta Adams

Allgemein

Wenn wir nicht singen dürfen, dann tanzen wir doch!

29. Juli 2020

Es gibt viele Gründe, warum wir uns mit unseren Chören zur Zeit treffen sollten – auch, wenn wir nicht singen können. Nicht immer stehen ausreichend große Räume oder Außenflächen zur Verfügung, um die Vorschriften einzuhalten und das Ansteckungsrisiko beim Singen zu minimieren. Viele SängerInnen können auch gar nicht mit so viel Abstand zum Nachbarn die eigene Stimme halten oder sie haben gar keinen Spaß daran, nur sich selbst zu hören. Dies alles kann uns zwar am Singen hindern, bedeutet aber nicht, dass wir zuhause bleiben müssen! 

Was fehlt uns in diesen Tagen am meisten? Aus meiner Sicht ist es das ungezwungene, ausgelassene, gesellige Beisammensein- die pure Lebensfreude, die entsteht, wenn man mit seinen liebsten Menschen zusammen ist. Leider ist das momentan kaum zu haben. Irgendetwas hindert einen immer daran zu vergessen, dass dieses blöde Virus da ist. Die fehlende Umarmung, die Maske im Gesicht der Freundin, die neueste Neuigkeit über das Virus, die sich schneller verbreitet, als die Krankheit selbst. Alles dreht sich im Augenblick um die Dinge, die gerade nicht gehen.

Aber: wir können tanzen. Tanzen ist etwas, das jeder Mensch auf diese Welt mit in die Wiege gelegt bekommen hat. Jeder! Man kann im Sitzen tanzen, im Stehen, mit viel Platz und mit wenig. Selbst das Wippen mit dem Fuß und das innerliche Fühlen und Mitgehen ist Tanzen und sorg für eine Menge Vergnügen! Ich möchte mal eine gewagte Behauptung aufstellen: das Tanzen ist wie keine zweite Tätigkeit dazu geeignet, Lebensfreude wach zu rufen. Und das hat jetzt gar nichts mit ausgefeilten Choreografien zu tun – im Gegenteil. Je einfacher, desto besser. 

Es ist eine Zeit, in der wir nicht viel singen können. Aber: es ist darum auch eine Zeit, in der wir viele andere Dinge tun können, die sonst zu kurz kommen! Nun habt ihr endlich die Ruhe

*das Rhythmusgefühl im Chor zu verbessern

*die körperlichen Hemmungen zu lösen, die manche haben

*das Klatschen auf zwei und vier zu üben

*den Step-Touch zu erlernen

*das Gehen im Takt zu optimieren

*die bereits vorhandenen Choreos zu trainieren

*neue Choreos zu entwickeln

*und das freie Bewegen im Raum zu verfeinern

Und das Schönste ist: nichts einfacher, als das! Einfach Musik anmachen, die zum Bewegen animiert und los geht es kreuz und quer durch den Raum. Auch hier macht es vielleicht Sinn, in kleineren Gruppen zu üben – je nach Chor- und Raumgröße. Bei diesen Übungen ist alles erlaubt. Niemand muss etwas auf eine bestimmte Weise tun. Einer macht einen Vorschlag- und die anderen setzen ihn auf ihre Weise um. Je kreativer, desto besser. Denkt daran: es geht darum, die Lebensfreude wach zu kitzeln! Nicht um Perfektion. Konkret bedeutet das, dass es für den Moment egal ist, ob man nach rechts oder links, oben oder unten beginnt. Je freier sich alle bewegen, desto besser! Folgende Hilfen könnt ihr geben (und natürlich 100 weitere, die euch einfallen)

  • gehe auf deine ganz eigene Art durch den Raum
  • versuche dabei, den größt möglichen Abstand zu allen anderen zu haben
  • kannst du auch seitwärts?
  • rückwärts?
  • lass mal deine Arme dabei machen, was sie wollen
  • tanz mal am Platz, als wären die Füße fest geklebt
  • kannst du deine Hüfte dazu bewegen?
  • klatsch mal im Takt der Musik in die Hände – dabei weiter ausgelassen tanzen
  • geh drei Schritte und beim vierten zieh den Fuß ran zum „Tap“
  • dabei in alle Richtungen, rechts links egal
  • kannst dich dabei drehen?
  • und so weiter und so weiter

Alles Dinge, auf die wir später wunderbar zurück greifen können, wenn alles wieder schnell schnell gehen muss und immer zu wenig Zeit ist, um diese wichtigen Dinge zu festigen. Auf diese spielerische Weise könnt ihr alle Grundschritte entwickeln, die ihr für eure nächsten Choreos braucht.

Meint jedenfalls

Eure Britta

Allgemein Chorleitung

Lasst uns diese Chance nutzen!

16. April 2020

Wie wir die Probenkultur wandeln und das Beste aus dieser Zeit machen können

Ja, alles ist anders und nichts ist mehr, wie es war. In kaum einem Bereich zeigt sich das so deutlich, wie in Kunst und Kultur. Wenn wir den Fokus auf die Chorkultur legen, dann kann einem schon das Lachen im Halse stecken bleiben. Wie soll das weiter gehen? Die Abstandsregeln werden so lange gelten, bis es eine Impfung gibt. Wenn ein Wunder passiert, dann ist das Ende diesen Jahres- ansonsten Anfang oder Mitte nächsten Jahres. wenn es schlecht läuft, noch später.

Wie können wir diese Zeit nutzen, in der wir nicht wie gewohnt miteinander proben und umgehen können? Chorprobe mit Mundschutz und 2 m Abstand vom nächsten Sänger, das dürfte für die meisten Chöre sehr schwierig werden. Also sind neue Konzepte gefragt. Am besten solche, die der Chorarbeit wirklich nützen und den SängerInnen Spaß machen. Und bei denen die jeweils geltenden Abstand- und Kontaktregeln eingehalten werden können.

Viele Dinge, die wir eigentlich tun „müssten“, blieben bei der normalen Chorarbeit der Vor-Corona-Zeitrechnung liegen. Immer fehlte die Zeit, stets stand schon das nächste Konzert an. Die ChorleiterInnen unter uns wissen: wenn sich die Fähigkeiten des Einzelnen nicht verbessern, stößt auch die Leistungsfähigkeit des Ganzen an diese Grenze. Was läge also näher, als diese Dinge nun aufzugreifen? 

Die Lösung heißt: Kleinst- und Kleingruppenarbeit.

Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass der Chorleiter bzw. die ChorleiterIn sich in jeder Woche eine andere, kleine Gruppe zur Brust nimmt, z.B.

  • eine Stimmlage (oder Teile davon)
  • die Frauen
  • die Männer
  • ein Ensemble (von jeder Stimmlage eine Person)

Thematisch bieten sich geradezu unzählige Themen an, z.B.

  • Einstudierung eines neuen Songs oder Aufarbeitung eines bereits bekannten
  • Stimmbildung
  • Gehörbildung
  • Intonation
  • Rhythmus
  • Ausstrahlung
  • Präsenz
  • Spezialthemen, wie z.B. Legato, Konsonanten, Aussprache im Allgemeinen, Vom-Blatt-Singen etc.

Die anderen müssen in dieser Probe aber nicht untätig sein! Es können sich wöchentlich kleine Minigruppen treffen und ebenfalls gemeinsam- ohne ChorleiterIn – an oben genannten Themen üben. Die Chorleitung kann das koordinieren und ggf. Übematerial und Hilfen zur Verfügung stellen.

Auch könnten endlich mal wieder Themen in Angriff genommen werden, die in kleineren Gruppen vorbereitet werden können, z.B. 

  • Chorkleidung
  • Choreografien
  • Moderation 
  • Konzertgestaltung
  • Webseite 
  • Soziale Medien

Diese Formate sind variabel und können immer den momentanen Verordnungen angepasst werden. Sobald dann eine Gesamtprobe möglich ist, kommen alle mit neuen Fähigkeiten und Kenntnissen zusammen. Das kann einen enormen Auftrieb geben! Zumal die Eigeninitiative durch diese Art der Arbeit enorm gestärkt wird.

Kombination von Online und Offline

Chöre, die gut mit Online-Meetings zurecht kommen, können die wöchentlich Probe zum Beispiel mit einem Video-Meeting beginnen, in dem die Probeninhalte für den Abend besprochen werden. Dann legen alle Gruppen einzeln los. Am Ende der Probe können Ergebnisse präsentiert werden.

Nutzen wir die Chance! Sie kommt so schnell nicht wieder 🙂

Allgemein Choreografieren

Was ist eine gute Chor-CHOReografie?

2. März 2020

Die Antwort ist einfach: jede Bühnendarstellung, die den Zuschauer einen Song intensiver erleben lässt, als es ohne CHOReografie der Fall wäre. Das Lied wird unterhaltsamer, kurzweiliger, überraschender und lässt die Distanz zwischen Zuschauer und SängerInnen schrumpfen.

Aspekte einer guten CHOReografie

Eine gute CHOReo ist für die SängerInnen einfach zu merken und auszuführen, besteht aus einem Wechsel zwischen freien und synchronen Bewegungen und hat ihren Schwerpunkt auf der emotionalen/mimischen Darstellung.

Also im Einzelnen:

Eine gute CHOReo kann man sich einfach merken

Am Ende einer Übungsphase muss jede CHOReo in Fleisch und Blut übergegangen sein. Es ist ein absolutes NoGo eine halbfertige Choreografie aufzuführen, da die Aufmerksamkeit der SängerInnen dann (noch) an Bewegungsabläufe gebunden ist. Es gibt dann eine Art Hyperfokus auf die Choreo, was das Ganze steif und unsicher wirken lässt. Bitte auch daran denken, dass eine Choreografie auch auf Stand gehalten werden muss. Je aufwändiger sie ist, desto schwieriger wird das. Je besser Bewegungsabläufe zum Song passen, desto einfacher kann man sie sich merken! Aber Achtung: bitte keine Gesten, die den Text illustrieren. Das wäre zu simpel und ist nur in Ausnahmefällen eine gute Idee.

Eine gute CHOReo ist einfach auszuführen

Zu komplizierte Bewegungen verbessern nicht die Bühnenwirksamkeit! Die Bewegungen selbst sollten einfach sein- das heißt, sie sollten keine allzu große Anforderungen an die Koordinationsfähigkeiten der SängerInnen stellen. Eine gute Merkhilfe ist: entweder Füße oder Hände – nicht beides! Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel 🙂 Solltet ihr zum Beispiel einen talentierten Chor haben, dem Koordination keine Schwierigkeiten bereitet, könnt ihr natürlich aus den Vollen schöpfen. Für alle anderen gilt: bitte kein unsinniges Durcheinander zwischen rechts und links starten. Einfache Regeln, wie „wir beginnen im Zweifelsfall immer mit rechts“ helfen dabei, sich nicht zu verzetteln.

Eine gute CHOReo besteht aus einem Wechsel zwischen freien und synchronen Bewegungen

In der Regel gilt: immer schön mischen! Choreografien wirken schnell ungelenk und starr, wenn sich ausschließlich synchron choreografierte Bewegungen aneinander reihen. Umgekehrt wirkt ausschließlich freie Bewegung schnell fahrig, unklar und durcheinander. Also einfach mutig mischen! Das gibt eine schöne Struktur, wirkt aber nicht zu steif. Auch hier gibt es natürlich schöne Ausnahmen! Kunst bleibt Kunst und bricht auch hin und wieder ihre eigenen Regeln.

Eine gute CHOReo hat ihren Schwerpunkt auf der emotionalen/mimischen Darstellung

Dies ist meines Erachtens der wichtigste Punkt! Der schönste Tanz ist nichts wert, wenn das Gesicht nicht mittanzt 🙂 Die Mimik und Ausstrahlung ist immer und bei jedem Song unerlässlich, da sie Emotionen, Gefühle und Stimmungen auf den Zuschauer übertragen – das gilt natürlich auch und insbersondere für choreografierte Songs. Also: jede Bewegung braucht die 100%ige Hingabe des Tänzers und seinen ganz persönlichen Stil, seine Handschrift sozusagen. Wir brauchen auf der Bühne keine Klonschafe, die „alles schön und richtig“ machen, sondern SängerInnen, die den Mut haben, Bewegungen auf ihre ganz eigene Art auszuführen! DAS macht Spaß: beim Ausführen UND beim Zuschauen.

…. meint jedenfalls Ihre Britta Adams

Allgemein

Gute Entscheidungen treffen

14. Februar 2019

Wie Chöre sich dabei oft selbst im Weg stehen… und wie sie es dennoch schaffen können

Sicher, kleine Dinge müssen sofort entschieden werden. Zum Beispiel, was beim Chorwochenende gegessen werden soll oder welches Geschenk der werdenden Mutter überreicht wird. Es ist in Ordnung, solche kleineren Themen jederzeit in die große Runde zu werfen. Sobald aber Entscheidungen mit größerer Tragweite getroffen werden müssen, funktioniert diese spontane Form nicht. Dennoch ist eben genau das der häufigste Fehler, der einen friedlichen Entscheidungsfindungsprozess von vorne herein torpediert. Welche Fehler man sonst noch so machen kann und wie man sie in Zukunft vermeidet- davon handelt dieser Artikel.

Was ist eigentlich eine gute Entscheidung?

Es geht hier nicht ums Prinzip! Jede Entscheidung, die eine geklärte und friedliche Atmosphäre hinterlässt, ist eine gute. Ganz egal, wie sie getroffen wurde. Viele Entscheidungen verursachen keine Probleme, wenn klar ist, wer sie trifft. Wenn z.B. schon seit Menschengedenken vom Chorleiter entschieden wird, welche Songs gesungen werden, wird es damit kaum Probleme geben. Es darf und soll also weiterhin so verfahren werden. Solange, bis sich etwas unklar anfühlt und immer wieder für Konflikte in der Gruppe sorgt. 

Eine gute Entscheidung erkennt man daran, dass sie eine geklärte, friedliche Atmosphäre hinterlässt. Gruppenmitglieder, die anderer Meinung sind, tragen die Entscheidung dennoch mit und stellen sie nicht immer wieder infrage.

Das hört sich einfacher an, als es ist. Die Realität sieht oft anders aus. 

Welche Faktoren gefährden nachhaltige Entscheidungen?

1. Die Überrumplungs-Falle

Wer plötzlich mit einer neuen Kleidungsidee in der Chorprobe auftaucht muss sich nicht wundern, wenn sie ungesehen zerrissen wird. Menschen brauchen Sicherheit. In diesem Fall die Sicherheit, dass sie ihre Einwände anbringen dürfen und sie auf eine transparente Weise am Prozess beteiligt werden. Viele Diskussionen drehen sich gar nicht wirklich um die Sache, sondern um das Gefühl, überrumpelt worden zu sein. Das kann leicht vermieden werden!

2. Die „keiner-weiß-worum-es eigentlich-geht“ Falle

Mangelnde Information ist wirklich eine große Gefahr für jede Entscheidung. Je genauer die Menschen wissen, worum es genau geht, welche Parameter mit einbezogen werden müssen, welche Ideen schon abgewogen und aussortiert wurden und aus welchem Grund, desto mehr Verständnis bringen sie logischerweise auf. Oft wird das einfach vergessen. Die Gruppe wird vor vollendete Tatsachen gestellt und hat nur noch geringen Handlungsspielraum.

3. Die Konsens-Falle

In vielen Gruppen fehlt die Abstimmung am Ende! Es wird so lange diskutiert und geredet, bis es keine Einwände mehr gibt oder sie nicht mehr geäußert werden. Das führt dazu, dass viele Entscheidungen überhaupt nicht fallen, vertagt werden oder sich lediglich auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner geeinigt werden kann. 

4. Die „viel-zu-viele-Optionen“ Falle

Ein Mensch kann sehr gut zwischen drei Optionen abwägen und entscheiden. Wir überfordern unsere Gruppen, wenn wir ihnen eine ungezählte Anzahl an Optionen und Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

5. Die Innovations-Falle

Gruppen ticken konservativ. Im Zweifel entscheiden sie sich für das Bekannte. Wenn kreative, zukunftsweisende oder innovative Prozesse anstehen, muss der Entscheidungsfahrplan angepasst werden.

Wie sollten Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden? 

Um nicht in die gängigen Fallen zu tappen, können Vorkehrungen getroffen werden.

1. Die Entscheidung zeitig ankündigen

Zunächst sollte möglichst lange vorher angekündigt werden, welche Entscheidung wann ansteht. Wichtigste Information an dieser Stelle: wann darf der Chor worüber abstimmen? Und mit welcher Mehrheit gilt eine Entscheidung als getroffen?

2. Den Entscheidungsfahrplan vorlegen

Der Vorstand (bzw. das vom Vorstand beauftragte Team) entwirft einen Entscheidungsfahrplan (siehe Dokument). Dieses zentrale Dokument enthält alle wichtigen Informationen, Details und Absprachen. Er wird zunächst allen wichtigen Einzelpersonen vorgelegt, die vorab informiert und/oder nach Ihrer Meinung gefragt werden sollen. Später dann dem Chor.

3. Alle Einwände sammeln

Es werden wirklich alle Einwände gesammelt- in der Chorprobe und per Mail. Es wird wirklich jeder, noch so kleinen Einwand entgegen genommen, ohne ihn zu kommentieren. Es geht nicht darum, alle zu berücksichtigen. Aber alle werden gelesen und zur Kenntnis genommen. Die wichtigsten fließen in die Vorschläge ein.

4. Unterpunkte sammeln

Entscheidungen sind meist viel komplexer, als sie zunächst aussehen. Bevor z.B. über neue Kleidung abgestimmt werden kann, müssen Details geklärt werden. Zu welchem Anlass wird sie getragen, was darf sie kosten, wer trägt die Kosten, sollen vorhandene Textilien integriert werden und so weiter. Oft können die Unterpunkte von Einzelpersonen, Teams oder dem Vorstand vorab entschieden werden. Diese Unterpunkte auf einer Liste (siehe Dokument) sammeln.

5. Den Chor regelmäßig informieren

Im Laufe der Vorbereitung zur finalen Entscheidung werden sich immer mal wieder Dinge ändern. Darum sollte der Chor regelmäßig auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht werden. Alles, was hier versäumt wird, rächt sich am Tag der Entscheidung in Form von emotionalen Ausbrüchen oder unangemessenem Verhalten einzelner SängerInnen, die sich übergangen fühlen.

6. Adlerauge, sei wachsam

In vielen Gruppen tauchen immer wieder Schwierigkeiten mit den selben Personen auf, die absichtlich oder unabsichtlich die Entscheidungsprozesse unfair torpedieren. Man sollte im Vorfeld kreativ bei der Frage werden, wie sich voraussehbare Konflikte vielleicht entschärfen lassen. Zum Beispiel, indem man die Menschen mit ins Boot holt, vorab nach ihrer Meinung fragt, oder sie sich in einem ernsten Gespräch zur Brust nimmt.

7. Zwischen 3 Möglichkeiten wählen lassen

Egal, um welche Entscheidung es geht: der Mensch wählt am liebsten zwischen drei Optionen. Wenn irgendwie möglich, sollten also drei Vorschläge zur finalen Abstimmung gebracht werden. Zwei sind zu wenig, vier schon zu viel.

8. Der Vorstand führt durch den (Abstimmungs-)Prozess

Dieser wichtige Punkt kann eine Menge Nerven schonen! Alles, was im Chor passiert, braucht die Rückendeckung des Vorstandes. Der Vorstand ist immer DIE offizielle Stimme, auch, wenn die wichtigen Vorarbeiten von Teams übernommen wurden. Das Team kann erklären, beschreiben, argumentieren. Durch den Prozess führt aber der Vorstand. Darum ist es auch so wichtig, dass der Vorstand über alles informiert ist und sein Okay gibt. Sonst kann es im letzten Moment zu bösen Überraschungen kommen.

9. Am Ende auch wirklich abstimmen

Es ist schon kurios! Viele Gruppen durchlaufen diesen Prozess geradezu vorbildlich, um sich am Ende um die Abstimmung zu drücken. Vielleicht, weil jeder weiß, zu welch unfairem Verhalten sich „die Überstimmten“ manchmal hinreißen lassen. Dennoch: hier geht kein Weg dran vorbei. Je innovativer und kreativer ein Vorschlag ist, desto größer ist die Gefahr, dass er nicht oder nur gegen Widerstand umgesetzt werden kann. Das liegt in der Natur der Sache. Also: durch!

10. Sehr innovative und kreative Ideen nicht zur Abstimmung bringen

Eine Gruppe wird sich im Zweifel immer für das Gewohnte entscheiden. Manchmal muss man als Chor aber ungewohnte Wege gehen! Alle Visionen und besonders kreative Ideen sollten daher anders abgestimmt werden. Hier gilt es zu klären, OB ein neuer Weg z.B. in Sachen Konzertform begangen werden soll, und WER das Vertrauen der Gruppe bekommt, es zu entwickeln. Das Konzept selbst wird dann nur noch mit dem Vorstand abgesprochen. Dies gilt z.B. für die Entwicklung eines neuen Logos, einer neuen Konzertform, eines ungewöhnlichen Projekts oder ähnlichem. Die Chorkleidung ist hier ein sensibles Grenzthema, weil sie ja am Ende von jedem getragen werden muss. Es kommt dann darauf an, ob die Gruppe bereit ist, auf dem Gebiet Experimente zu wagen.

Zu guter Letzt: „Ist egal, wir lassen das jetzt so“.

Die wenigsten Entscheidungsprozesse werden von A-Z glatt laufen. Es gibt immer den Punkt, an dem man die Dinge zu den Akten legen muss. So ist das eben! Beim nächsten Mal gibt es die Chance zur Verbesserung des Prozesses.

Kreativität Präsenz und Ausstrahlung

Mehr Glamour bitte!

30. Oktober 2017

Ein Plädoyer für die Lust am glanzvollen Auftritt

Wer hätte gedacht, dass ich mal so einen Artikel schreibe? Ich gehe ungeschminkt zum Bäcker, habe fast nur Jeans und Sweatshirts im Schrank und genau drei Oberteile und eine schwarze Hose „für gut“. Ich mag Natürlichkeit und Ungezwungenheit. Ich bemerke es nicht einmal, wenn ich noch Schlammflecken von der Hunderunde an der Hose habe, wenn ich abends zur Chorprobe erscheine. Warum schreibe gerade ich einen Artikel über die Lust am Glamour?

Vielleicht, weil ich nach und nach entdeckt habe, dass es Zeiten für Natürlichkeit und Zeiten für Glamour gibt. Und dass Glamour gar nicht unnatürlich sein muss- besonders nicht auf der Bühne. Und dass die gemeinsame Lust am glamourösen Auftritt für Gruppen eine wichtige Erfahrung sein kann! In toller Garderobe, gut geschminkt und frisiert, erleben wir uns selbst und unsere Wirkung auf andere von einer anderen Seite. Wir trauen uns, zu spielen: Miteinander, mit dem Publikum, mit unserer Wirkung, mit Texten und Moderationen.
Dadurch bekommen wir mehr Leichtigkeit in die Bühnenauftritte und erlauben dem Zuschauer, sich auf eine andere Art und Weise zu entspannen und den Auftritt zu genießen. Wir übernehmen volle Verantwortung für das Entertainment und bieten nur noch wenig persönliche Einblicke in unsere Privatheit. Stattdessen entwickeln wir Bühnenpersönlichkeiten- was für ein Spaß!
Wenn ich im Rahmen meiner Coachingtätigkeit auf Auftrittskleidung zu sprechen komme, höre ich eigentlich fast immer folgenden Sätze: „Auf der Bühne muss man sich ja schließlich wohl fühlen. Wenn ich etwas anderes tragen muss, als sonst, dann fühle ich mich verkleidet“. Für eine bühnentaugliche Frisur und dramatisches Make-up kann ich kaum jemanden spontan erwärmen! Die meisten wehren sich mit Händen und Füßen, nach dem Motto „Ich schminke mich nie!“
Nun könnte ich ja es einfach dabei bewenden lassen. Aber: ich habe zu oft erlebt, was mit Menschen (besonders mit Frauen) passiert, wenn sie sich doch einmal dazu hinreißen lassen, sich komplett in Schale zu schmeißen: Sie blühen auf. Sie bewegen sich anders, Sie strahlen Schönheit und Selbstbewusstsein aus. Und das wichtigste: sie beginnen, sich auf der Bühne richtig wohl zu fühlen. Auf der Bühne gelten eben andere Wohlfühlgesetze, als zuhause auf dem Sofa. Da kann es schonmal vorkommen, dass man sich in einem extravaganten Kleid plötzlich viel wohler fühlt, als in der Alltagsjeans. Wer das herausfinden möchte, muss es sich einfach mal trauen! Für den Anfang genügt es, 20- 30% „drauf zu legen“.  Also etwas mehr Make-Up, eine etwas gewagtere Frisur und ein etwas schickeres Outfit… Viel Spaß!

Auf der Bühne Choreografieren Chorkleidung

Wie man den Blick des Zuschauers lenkt

26. April 2017

Eines der wichtigsten Bühnen-Prinzipien der Chorregie ist das Wissen darüber, wie man den Blick des Publikums bewusst lenkt. Dies ist die wesentliche Vorstufe der Erkenntnis, dass nicht nur die Blickrichtung, sondern auch Reaktionen und Verhalten des Publikums bis zu einem gewissen Grad vorhergesehen und beeinflusst werden können. Es muss damit nicht mehr komplett dem Zufall überlassen bleiben, wann sich das Publikum wie verhält.

Die Aufmerksamkeit folgt dem Blick

Dieses Prinzip betrifft Choraufstellungen und Choreografien genau so, wie die Chorkleidung. Wenn wir die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine bestimmte Stelle auf der Bühne lenken wollen, so müssen wir den Blick lenken.

Stellen wir uns zunächst die Frage: wo möchten wir, dass das Publikum hin schaut? Oder auch umgekehrt: wo soll es gerade nicht hin schauen?

Der Zuschauer schaut grundsätzlich dort hin, wo es etwas zu sehen gibt. Einfach, aber wahr! Unsere Aufmerksamkeit wird erregt durch „das Andere“, „das Ungewöhnliche“ und das, was aus dem Rahmen oder aus der Ordnung fällt.

Harmonische Ordnung herstellen

Um die Grundlage dafür zu schaffen, muss also erstmal eine Ordnung bestehen, bei der der Blick nicht irgendwo hängen bleibt. Für die einzelnen Bereiche heißt das:

Choraufstellung:

  1. Die SängerInnen der ersten Reihe haben zueinander den gleichen Abstand und stehen auf einer imaginären Halbkreislinie mit Blickrichtung zum Chorleiter (merke: die Aufmerksamkeit folgt auch hier dem Blick:-).
  2. Ab der 2. Reihe hat jeder Sänger ein eigenes „Fenster“. Als Test kann man die Hände auf den Schultern der Vorderreihe ablegen. Jeder Mensch in der 2. Reihe sollte zwei verschiedene Schultern unter seinen Händen haben.
  3. Besonders harmonisch sieht es aus, wenn die Körpergrößen bei der Aufstellung berücksichtigt werden. Der Blick sollte in sanften Wellen über die Köpfe schweifen können. Also nicht den Kleinsten neben die Größte stellen. Kleinere Sänger tendenziell nach vorn stellen.
  4. Auf einen einheitlichen, aufrechten und entspannten Stand achten. Jede Abweichung (Gewicht auf einem Bein, verschränkte Hände etc) stört das einheitliche Bild und lenken ungewollt den Blick des Publikums auf diese „Besonderheit“
  5. Falls einige Sänger (noch) Noten auf der Bühne benötigen, stehen sie in der letzten Reihe

Chorkleidung:

  1. Das Gesamtbild sollte harmonisch, ruhig und einheitlich sein (nicht zu verwechseln mit langweilig!)
  2. Möglichst klarer Stil, klare Absprachen, kein „Kleinklein“ und kein Schnickschnack, möglichst wenig persönliche Geschmäcker
  3. Schwarz bietet sich als Grundfarbe an, weil sie keine Aufmerksamkeit anzieht und Licht nicht reflektiert. So kann man Effekte bewusst und deutlich setzen. Kräftige Farbakzente lieber weiter entfernt vom Gesicht setzen: mit Hosen oder auch Schuhen. Je kräftiger die Farbe in Gesichtsnähe, desto einheitlicher sollte die Kleidung sein, um den Fokus auf dem großen Ganzen zu belassen ! Wie man mit ausgefallener Chorkleidung ein super Bild kreieren kann, könnt ihr euch mal hier auf der Seite des Chores „Herrenbesuch“ aus München anschauen: http://www.herrenbesuch.net Respekt!

Worauf wir den Blick lenken können

Choraufstellung

  1. auf unsere Männer, Jugendlichen, Soprane
  2. auf den Solisten
  3. auf eine Stimmgruppe, die eine schöne oder wichtige Melodie singt

Chorkleidung

  1. auf die Gesichter
  2. auf die Hände, die Füße
  3. auf ein Accessoire
  4. auf eine starke Farbkombination
  5. auf eine spezielle Stilrichtung

Worauf wir den Blick nicht lenken sollten

  1. auf einzelne Sänger  (die gerade keine Sonderrolle haben)
  2. auf die Tatsache, dass wir uns nicht auf eine Ordnung einigen konnten
  3. auf den Umstand, dass sich einige nicht an Absprachen halten
  4. auf abweichende Farben
  5. auf die Schuhe (wenn sie unterschiedlich sind)
  6. auf die privaten Kleidungsvorlieben der Einzelnen
  7. auf die verschiedenen Figuren
  8. auf Dinge, die eigentlich nicht zu sehen sein sollten (z.B. Unterwäsche)

Wie wir den Blick nun lenken

Chorkleidung

Beginnen wir mal mit der Chorkleidung. Um den Blick auf die Gesichter zu lenken, was im Sinne der meisten Chöre sein dürfte- denn dort sollte sich das Wesentliche abspielen, sollten Oberteile grundsätzlich einfarbig und nicht gemustert sein. Schals lenken den Blick WEG von den Gesichtern, da sie mit ihnen konkurrieren. Wenn nun jeder den Schal noch anders trägt, ist das Publikum eine Weile beschäftigt. Je gleicher die Oberteile, desto besser. Schwarz ist nicht für jeden Anlass geeignet- kaschiert aber bekanntlich optimal und reflektiert das Licht nicht. Der Fokus wird dann zu den Gesichtern wandern.

Verstärken kann man den Effekt dadurch, dass frau sich ausdrucksstark schminkt und die Haare aus dem Gesicht weg frisiert. Besonders die Augenbrauen spielen eine große Rolle bei der Mimik- die darf man gern betonen.

Egal, wie die Idee der Chorkleidung ist- je einheitlicher, desto besser. Wenn wir beispielsweise die Absprache „rot/schwarz“ haben, und jeder wild aus dem Kleiderschrank kombiniert, wandert der Blick von Accessoire zu Oberteil zu Schuhe…..

Neben den Gesichtern kann jede Chorkleidung einen weiteren Blickfang vertragen. Das kann eine farbige Hose, bunte Schuhe, ein Accessoire o.ä. sein. Wenn man, wie beim oberen Bild, rote Schuhe tragen will, sollte die übrige Kleidung schwarz sein- sonst fallen die Schuhe nicht auf.

Choraufstellung

Wir lenken den Blick des Publikums, indem

  • die wichtigen Personen/Stimmen einen Schritt nach vorn treten, oder
  • sich die anderen der Person/Stimme zuwenden, oder
  • wir eine Lücke/einen Abstand zur Hauptstimme entstehen lassen
  • die wichtige Stimmgruppe den Blick auf einen anderen Punkt lenkt, als die übrigen (ins rechte Publikum, ins linke Publikum, frontal ins Publikum)
  • sich der Chorleiter zum Publikum umdreht
  • einer eine ganz andere Choreografie tanzt, als die anderen (Stichwort: Humor im Chor)

Diese Prinzipien gelten in erster Linie für klassische Auftritte vor konzentriertem Publikum, weniger für informelles Singen unter freiem Himmel mit Festival-Charakter. Die Auflistungen sind keinesfalls vollständig! Sie sollen lediglich einen ersten Hinweis geben und neugierig auf Experimente machen. Kleiner Tipp: die eigenen Auftritte grundsätzlich auf Video aufnehmen, anschauen und auswerten! So lernt man am schnellsten.

 

 

 

 

Chorkleidung Moderne Styling-Ideen

Von der scheinbar unmöglichen Aufgabe, ein Shirt zu finden, das allen passt

14. April 2017

Als wir vor einem Jahr angetreten sind, um schöne, funktionale, hochwertige und modische Chorkleidung anzubieten, sind wir bereits nach kürzester Zeit auf das erste, scheinbar unüberwindbare Hindernis gestoßen: Wir konnten die Nachfrage nach einfachen Shirts, die allen passen, nicht befriedigen. Zu eng. Zu klein. Zu unmodern. Ärmel zu kurz. Ausschnitt zu groß oder zu klein. Farbe nicht schön. Stoff läuft ein oder wird grau. Viele unserer KundInnen waren es bereits gewöhnt, auf Männershirts auszuweichen, da die Frauengrößen bei 2XL aufhören.

Was auf einem Festival im Freizeit-Look vielleicht noch gerade so geht, funktioniert auf einer Bühne keinesfalls! Dort möchte frau sich wohl fühlen und einfach gut aussehen.

Wir haben die Herausforderung angenommen und etwas ganz einfaches neu erfunden: das Chor-Shirt „Dance“, das allen passt und eine geradezu perfekte Basis für viele Styles bietet! Es ist und bleibt seiner Farbe treu, hat einen angenehmen 3/4 Ärmel, ist in den Größen XS-5XL erhältlich. Es sitzt schön locker und trotzdem figurnah, hat einen modernen Rundhals-Ausschnitt Und selbst für anders proportionierte Frauen haben wir Lösungen gefunden: die A-förmige Variante namens „Swing“, die weitere Größen abdeckt und aufgrund des gleichen Ausschnitts, Stoffes und Ärmellängen perfekt zu „Dance“ passt. Und die „Fly“-Tunika, die in toller Fledermaus-Optik eine super Figur macht. Natürlich gibt es auch das dazu passende Männershirt. Zu kaufen gibt es die guten Stücke im Chorliebe-Shop! Sie werden in eurer Wunschfarbe extra für euch hergestellt. Ein bisschen Luxus auf der Bühne muss einfach sein, wenn billig nicht funktioniert.

Ich werde euch hier in den nächsten Wochen zeigen, wie ihr mit diesem Basic-Kleidungsstück schicke, ungewöhnliche, stylische, traditionelle, sportliche und glamouröse Outfits für euren Chor zusammenstellen könnt! Stay tuned:-)