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Auf der Bühne

Auf der Bühne Choreografieren Chorkleidung

Wie man den Blick des Zuschauers lenkt

26. April 2017

Eines der wichtigsten Bühnen-Prinzipien der Chorregie ist das Wissen darüber, wie man den Blick des Publikums bewusst lenkt. Dies ist die wesentliche Vorstufe der Erkenntnis, dass nicht nur die Blickrichtung, sondern auch Reaktionen und Verhalten des Publikums bis zu einem gewissen Grad vorhergesehen und beeinflusst werden können. Es muss damit nicht mehr komplett dem Zufall überlassen bleiben, wann sich das Publikum wie verhält.

Die Aufmerksamkeit folgt dem Blick

Dieses Prinzip betrifft Choraufstellungen und Choreografien genau so, wie die Chorkleidung. Wenn wir die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine bestimmte Stelle auf der Bühne lenken wollen, so müssen wir den Blick lenken.

Stellen wir uns zunächst die Frage: wo möchten wir, dass das Publikum hin schaut? Oder auch umgekehrt: wo soll es gerade nicht hin schauen?

Der Zuschauer schaut grundsätzlich dort hin, wo es etwas zu sehen gibt. Einfach, aber wahr! Unsere Aufmerksamkeit wird erregt durch „das Andere“, „das Ungewöhnliche“ und das, was aus dem Rahmen oder aus der Ordnung fällt.

Harmonische Ordnung herstellen

Um die Grundlage dafür zu schaffen, muss also erstmal eine Ordnung bestehen, bei der der Blick nicht irgendwo hängen bleibt. Für die einzelnen Bereiche heißt das:

Choraufstellung:

  1. Die SängerInnen der ersten Reihe haben zueinander den gleichen Abstand und stehen auf einer imaginären Halbkreislinie mit Blickrichtung zum Chorleiter (merke: die Aufmerksamkeit folgt auch hier dem Blick:-).
  2. Ab der 2. Reihe hat jeder Sänger ein eigenes „Fenster“. Als Test kann man die Hände auf den Schultern der Vorderreihe ablegen. Jeder Mensch in der 2. Reihe sollte zwei verschiedene Schultern unter seinen Händen haben.
  3. Besonders harmonisch sieht es aus, wenn die Körpergrößen bei der Aufstellung berücksichtigt werden. Der Blick sollte in sanften Wellen über die Köpfe schweifen können. Also nicht den Kleinsten neben die Größte stellen. Kleinere Sänger tendenziell nach vorn stellen.
  4. Auf einen einheitlichen, aufrechten und entspannten Stand achten. Jede Abweichung (Gewicht auf einem Bein, verschränkte Hände etc) stört das einheitliche Bild und lenken ungewollt den Blick des Publikums auf diese „Besonderheit“
  5. Falls einige Sänger (noch) Noten auf der Bühne benötigen, stehen sie in der letzten Reihe

Chorkleidung:

  1. Das Gesamtbild sollte harmonisch, ruhig und einheitlich sein (nicht zu verwechseln mit langweilig!)
  2. Möglichst klarer Stil, klare Absprachen, kein „Kleinklein“ und kein Schnickschnack, möglichst wenig persönliche Geschmäcker
  3. Schwarz bietet sich als Grundfarbe an, weil sie keine Aufmerksamkeit anzieht und Licht nicht reflektiert. So kann man Effekte bewusst und deutlich setzen. Kräftige Farbakzente lieber weiter entfernt vom Gesicht setzen: mit Hosen oder auch Schuhen. Je kräftiger die Farbe in Gesichtsnähe, desto einheitlicher sollte die Kleidung sein, um den Fokus auf dem großen Ganzen zu belassen ! Wie man mit ausgefallener Chorkleidung ein super Bild kreieren kann, könnt ihr euch mal hier auf der Seite des Chores „Herrenbesuch“ aus München anschauen: http://www.herrenbesuch.net Respekt!

Worauf wir den Blick lenken können

Choraufstellung

  1. auf unsere Männer, Jugendlichen, Soprane
  2. auf den Solisten
  3. auf eine Stimmgruppe, die eine schöne oder wichtige Melodie singt

Chorkleidung

  1. auf die Gesichter
  2. auf die Hände, die Füße
  3. auf ein Accessoire
  4. auf eine starke Farbkombination
  5. auf eine spezielle Stilrichtung

Worauf wir den Blick nicht lenken sollten

  1. auf einzelne Sänger  (die gerade keine Sonderrolle haben)
  2. auf die Tatsache, dass wir uns nicht auf eine Ordnung einigen konnten
  3. auf den Umstand, dass sich einige nicht an Absprachen halten
  4. auf abweichende Farben
  5. auf die Schuhe (wenn sie unterschiedlich sind)
  6. auf die privaten Kleidungsvorlieben der Einzelnen
  7. auf die verschiedenen Figuren
  8. auf Dinge, die eigentlich nicht zu sehen sein sollten (z.B. Unterwäsche)

Wie wir den Blick nun lenken

Chorkleidung

Beginnen wir mal mit der Chorkleidung. Um den Blick auf die Gesichter zu lenken, was im Sinne der meisten Chöre sein dürfte- denn dort sollte sich das Wesentliche abspielen, sollten Oberteile grundsätzlich einfarbig und nicht gemustert sein. Schals lenken den Blick WEG von den Gesichtern, da sie mit ihnen konkurrieren. Wenn nun jeder den Schal noch anders trägt, ist das Publikum eine Weile beschäftigt. Je gleicher die Oberteile, desto besser. Schwarz ist nicht für jeden Anlass geeignet- kaschiert aber bekanntlich optimal und reflektiert das Licht nicht. Der Fokus wird dann zu den Gesichtern wandern.

Verstärken kann man den Effekt dadurch, dass frau sich ausdrucksstark schminkt und die Haare aus dem Gesicht weg frisiert. Besonders die Augenbrauen spielen eine große Rolle bei der Mimik- die darf man gern betonen.

Egal, wie die Idee der Chorkleidung ist- je einheitlicher, desto besser. Wenn wir beispielsweise die Absprache „rot/schwarz“ haben, und jeder wild aus dem Kleiderschrank kombiniert, wandert der Blick von Accessoire zu Oberteil zu Schuhe…..

Neben den Gesichtern kann jede Chorkleidung einen weiteren Blickfang vertragen. Das kann eine farbige Hose, bunte Schuhe, ein Accessoire o.ä. sein. Wenn man, wie beim oberen Bild, rote Schuhe tragen will, sollte die übrige Kleidung schwarz sein- sonst fallen die Schuhe nicht auf.

Choraufstellung

Wir lenken den Blick des Publikums, indem

  • die wichtigen Personen/Stimmen einen Schritt nach vorn treten, oder
  • sich die anderen der Person/Stimme zuwenden, oder
  • wir eine Lücke/einen Abstand zur Hauptstimme entstehen lassen
  • die wichtige Stimmgruppe den Blick auf einen anderen Punkt lenkt, als die übrigen (ins rechte Publikum, ins linke Publikum, frontal ins Publikum)
  • sich der Chorleiter zum Publikum umdreht
  • einer eine ganz andere Choreografie tanzt, als die anderen (Stichwort: Humor im Chor)

Diese Prinzipien gelten in erster Linie für klassische Auftritte vor konzentriertem Publikum, weniger für informelles Singen unter freiem Himmel mit Festival-Charakter. Die Auflistungen sind keinesfalls vollständig! Sie sollen lediglich einen ersten Hinweis geben und neugierig auf Experimente machen. Kleiner Tipp: die eigenen Auftritte grundsätzlich auf Video aufnehmen, anschauen und auswerten! So lernt man am schnellsten.

 

 

 

 

Allgemein Auf der Bühne Chorkleidung

„Das Auge hört mit“ Mein Standpunkt aus der „Chorzeit“ 6-8/16

1. September 2016

14184431_665693323596951_5177266008744451817_nDas Auge hört mit!

Was moderne Chorkleidung heute leisten muss

Es ist noch nicht allzu lange her, da trug ein Männerchor auf der Bühne eine Sakko mit Vereinswappen zur schwarzen Anzughose, ein Frauenchor einen langen, schwarzen Rock mit weißer Bluse. Da man sich auf Sängerfesten im Wesentlichen gegenseitig vorsang und die Chormusik ihr Dasein sowieso am Rande der Gesellschaft fristete, war das die einfache Lösung eines eigentlich gar nicht vorhandenen Problems.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Chöre singen vielfältiges und unterschiedliches Repertoire vor unterschiedlichstem Publikum. Es gibt Wettbewerbe, Motto-Konzerte, Flashmobs und Mitsing-Konzerte. Chöre präsentieren sich mit einer eigenen Homepage im Internet, sind auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken vertreten. Sie nutzen die Bühne auf kreative Art mit neuen Aufstellungen, Formationen und Chor-Choreografien. Sie sind auf dem Weg hinein in die Mitte der Gesellschaft.

Jedoch schafft die neue Freiheit auch gleichzeitig ein neues Problemfeld! Denn wo Traditionen nicht mehr fortgesetzt werden, müssen neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden- auch in Sachen Chorkleidung.

Wer die deutsche Chorlandschaft heute auf ihre Kleiderordnung hin untersucht, wird sehr bald feststellen, dass sich ein großer Teil der Gruppen auf eine schwarze Grundgarderobe aus dem eigenen Kleiderschrank geeinigt hat. Hinzu kommt dann bei eher traditionellen Gruppen ein bunter Schal und eine farbige Krawatte, bei Chören mit modernerer Literatur wird der Schal durch ein individuelles Accessoire ersetzt. Die restlichen Gruppen einigen sich auf eine Farbpalette- zum Beispiel Sandtöne- die ebenfalls aus der vorhandenen Alltagsgarderobe zusammen gestellt wird.

Die deutsche Chorlandschaft bietet also nicht allzu viel Abwechslung in Sachen Bühnengarderobe- von einigen erfreulichen Ausnahmen einmal abgesehen. Dabei wirkt die Kleidung wie eine optische Visitenkarte! Besonders für Gruppen, die für junge SängerInnen attraktiv sein wollen, ist eine ansprechende und moderne Optik wichtig. Auch Veranstalter, die gern einen Chor für eine hochkarätige Veranstaltung buchen möchten, werden mit Sicherheit nicht nur nach sauberen Tönen, sondern auch nach der entsprechenden Optik entscheiden, welcher Chor das Rennen macht. Eine starke Chorkleidung leistet also auf unterschiedliche Weise ihren Anteil am Fortbestand einer Gruppe.

Es geht beim Thema Chorkleidung jedoch nicht nur um rein kommerzielle Gesichtspunkte. Chormusik hat auch aus künstlerischer Sicht einen optischen Aspekt. Jede Bühnenkunst bemüht sich darum, Form und Inhalt in eine wechselseitige Beziehung zu bringen. Als verwandte Kunst kann da eine Musical- oder Theaterproduktion als Vergleich dienen. Die Kostüme bilden immer entweder eine Einheit oder einen Kontrast zum Bühnenstück! Niemals werden jedoch die Darsteller nach eigenem Geschmack entscheiden, was sie anziehen und diese Sachen dann von zuhause mitbringen. Selbst ein mittelloses Laientheater wird die Darsteller in Stil und Farbe ihren Rollen entsprechend ankleiden. Das geht zum Glück auch mit schmalem Budget, besonders in der Kunst macht Not ja bekanntlich erfinderisch!

Warum ist das in unserer Kunst anders? Einer der Gründe liegt sicher in der Selbstwahrnehmung der Chorsänger. Ein Chorsänger betrachtet sich selbst eben nicht in erster Linie als Künstler, und sein Hobby nicht als Kunstform. Vielmehr steht für ihn die wöchentliche Probe im Mittelpunkt. Hier übt er sein Hobby aus, hier trifft er seine Freunde. Das ist an und für sich noch kein Problem. Konflikte entstehen erst dann, wenn aus dieser Haltung heraus künstlerische Entscheidungen getroffen werden müssen. Dieser Wechsel von der privaten zur künstlerischen Sichtweise fällt den meisten Sängern schwer. Bei der Wahl der Bühnengarderobe geht es nun aber nicht darum, wer welche Farbe am liebsten trägt. Es ist auch nicht entscheidend, wie viel Geld der einzelne ausgeben möchte oder was er auf gar keinen Fall bereit ist, anzuziehen. Es geht vielmehr darum, welcher künstlerischen Gesamteindruck erreicht werden soll, welcher Kleidungsstil mit der dargebotenen Musik harmoniert, und welche Bewegungsfreiheit die Kleidung garantieren muss. Solche Entscheidungen sind aber aus der oben genannten, eher privaten Haltung heraus schwer zu treffen.

Ein zweiter Grund liegt häufig in der Entscheidungskultur einer Gruppe. Um nicht allzu autoritär zu wirken, werden meist alle Entscheidungen mit der gesamten Gruppe diskutiert. Nicht selten wird so lange gestritten, bis kein Widerspruch mehr laut wird. Es fehlt dann nach dem Austausch aller Argumente leider die Abstimmung, was weniger auf eine demokratische als auf eine anarchische Gruppenstruktur hinweist. Auf diese Weise werden sich jedoch immer die Lautesten durchsetzen, weil die Klügeren schneller nachgeben um den Konflikt nicht zu schüren.

Doch was ist die Lösung? Vielleicht diese: Eine wirkungsvolle Chorkleidung, die sich am künstlerischen Gesamteindruck orientiert, braucht eine klare Vision und eine professionelle Umsetzung auf Grundlage einer streng demokratischen Organisationsstruktur. Die Reihenfolge der zu treffenden Entscheidungen sollte „top-down“ erfolgen, also von oben nach unten, vom großen zum kleinen. Von der Idee zur Umsetzung- nicht umgekehrt.

Oft kann es zielführend sein, sich professionelle Hilfe in Form eines Kostümbildners vom Theater, eines Designers oder eines Experten in Sachen Chorkleidung zu holen. Die fachkundige Beratung von Externen kann auch intern zu einem neuen, künstlerischen Selbstverständnisses des Chores führen, was auch auf die künstlerisch-musikalsiche Wirkung eines Chores einen positiven Einfluss haben kann.

http://www.chorzeit.de/#Ausgaben

Auf der Bühne Tolle CHOReos

„Kearsney College Choir“ aus Südafrika

9. August 2015

Diese Gruppe habe ich live in Riga bei den World-Chor-Games gesehen. Als die Jungs auf die Bühne kamen wusste ich: das will ich auch! Tolle Musik, ausgefallene Choreografien!! Was wir auf diesem Video leider nicht so gut erkennen können: jeder einzelne singt und tanzt sich die Seele aus dem Leib. Ich bin absolut neidisch, dass ich nicht in so einer Gruppe Musik machen kann. Noch nicht:-) Vielleicht wird das ja mal irgendwas mit unserem Chorineo-Show-Chor!

Auf der Bühne Tolle CHOReos

„Out of the Blue“ aus Großbritannien

9. August 2015

Ich sach ja immma: Humor im Chor is ne feine Sache- und doch nicht so häufig anzutreffen. Kleinere Ensembles und A cappella-Gruppen haben es da scheinbar leichter! Warum ist das nur so im Chor so schwer? Vielleicht, weil nicht alle den gleichen Sinn für Humor haben und man sich daher schlecht darauf einigen kann, was lustig ist, und was nicht.. diesen Herren ist das jedenfalls so blendend gelungen, dass sie es in diesen Blog geschafft haben:-)

 

Auf der Bühne Tolle CHOReos

„Carmina Slovenica“ aus Slovenien

9. August 2015

Oberton-Mädchenchor. Ich bin schwer beeindruckt und finde, diese Bilder sprechen für sich. Ein Zauber, der von der Präsenz, Ausstrahlung und Musikalität dieser Mädchen und deren Chorleiterin ausgeht. Schön, dass es so etwas perfektes gibt auf dieser Welt!